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Stolperstein für Pastor Schäfer in Pommern

„Stolperstein für Pastor Schäfer“

Theresa Keßeler

Er stand für seinen Glauben ein und geriet ins Visier der Nazis/ „Stolperstein“ soll nun an sein Schicksal erinnern

Pommern. Von Folter und Misshandlungen gezeichnet musste Pastor Adam Schäfer im August 1940 die Haft verlassen. Am 28. Dezember 1939 hatte ihn die Geheime Staatspolizei in Koblenz verhaftet, da ihm das nationalsozialistische Regime vorwarf, er habe in seiner Predigt im November des Jahres versucht, die Soldaten aufzuhetzen. Er soll darin über Chamberlain, den damaligen britischen Außenminister gesprochen haben. Neville Arthur Chamberlain hatte dem NS-Regime nach dem Angriff auf Polen den Krieg erklärt. Adam Schäfer wiederum behauptete, sich auf den englischen Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain bezogen zu haben. Dessen Werk „Grundlagen des Neunzehnten Jahrhunderts“ soll Hitlers antisemitische Ideologie maßgeblich beeinflusst haben.

Ungeachtet seiner Argumentation nahm die Gestapo Pastor Schäfer für knapp drei Monate in Schutzhaft, während sie gleichzeitig ein Strafverfahren gegen ihn einleitete. Das Koblenzer Amtsgericht erließ einen Haftbefehl sowie ein Berufs- und Aufenthaltsverbot gegen ihn, das ihm untersagte, sich im Rheinland aufzuhalten oder weiterhin in der Diözese Trier tätig zu sein. Nach acht Monaten der Haft verlegte man ihn in das Krankenhaus Marienhof in Koblenz, da sich sein Gesundheitszustand zunehmend verschlechterte. Unter der Auflage, dass ein Arzt seinen Zustand wöchentlich kontrollierte, konnte er ein Jahr später in sein Elternhaus nach Urmitz zurückkehren.

Dort kam Adam Schäfer am 22. September 1877 zur Welt. Er besuchte die Schule in Koblenz und nach dem Abitur trat er 1898 in das Trierer Priesterseminar ein. Später wirkte er unter anderem als Kaplan in Zell und Pfarrer in Buch, bis er im Jahr 1936 als Pfarrer nach Pommern wechselte. Anna Schneiders, von Beginn an seine Haushälterin, begleitete ihn auch dorthin.

Ihr Neffe, Josef Helbach, sprach mit uns über seine Erinnerungen an Pastor Schäfer und über Details, die er durch seine Tante erfahren hat. Josef Helbach, der beim Pastor Religionsunterricht hatte, nahm ihn als „nett und freundlich“ wahr, auch wenn er „schon mal schimpfen konnte, wenn man was angestellt hatte.“

Doch neben jenen, die ihm große Sympathien entgegen brachten, gab es in Pommern auch Unterstützer des Regimes, mit denen Pastor Schäfer als Vertreter der Kirche des Öfteren aneinandergeriet. Zum Beispiel war er im „Katholischen Jungmännerverband“ aktiv und dieses religiöse Engagement war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Es blieb damals bei der Verwarnung, die Aktivitäten einzustellen, doch die politischen Spannungen der 1930er und 1940er Jahre kulminierten schließlich in der Verhaftung des Pastors. Wer die entscheidenden Vorwürfe aufbrachte, ist nicht geklärt.

Anna Schneiders erzählte ihrem Neffen später, am 19. Dezember 1941, dem Todestag von Pastor Schäfer, seien sie und ihr Bruder beim Pastor gewesen, als ein SS-Arzt zur wöchentlichen Gesundheitskontrolle kam. Obwohl es dem Pastor seit seiner Entlassung aus der Haft nicht merklich schlechter ging, verstarb er eine Stunde nach dem Arztbesuch.

Daher liegt die Vermutung nahe, dass er Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde. Sein Tod gibt eine vage Vorstellung davon, wie die Nationalsozialisten auch mit der eigenen Bevölkerung umgingen - das Regime duldete weder abweichende politische Überzeugungen noch Widerstand.

Im Rahmen des Projekts „Stolpersteine“ verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig auf Wunsch der Pommerner Gemeinde- und Pfarrgemeinderats einen solchen „Stolperstein“ für Pastor Schäfer. Die „Stolpersteine“ sollen dafür Sorge tragen, dass sowohl die konkreten Opfer des Dritten Reiches als auch die geschichtlichen Ereignisse während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht in Vergessenheit geraten. Denn nur „wenn wir lernen, offen über die Vergangenheit zu sprechen, können wir aus der Geschichte lernen.“ Pastor Schäfer wird als Jemand in Erinnerung bleiben, der auch unter Druck und Gewalt für seine Überzeugung eingestanden ist und Rückgrat bewiesen hat.

Adam Schäfer

geb. 22.9.1877 in Urmitz  

Realschule Koblenz

1898   Abitur Kaiserin-Auguste-Gymnasium Koblenz

Eintritt in Priesterseminar in Trier

1902   Ernennung als Kaplan nach Zell a. d. M.

1903   Versetzung nach Quierscheid a. d. Saar,

1906   Kaplan in Thalfang

1911  Pfarrer in Buch

1936   Umsiedlung nach Pommern

1937   erste Verwarnung seitens des Kreisschulamtes: ihm wurde die Mitgliedschaft   im Katholischen Jungmännerverband untersagt, auch durfte er keine Werbung   für sei machen.

28.12.1939 Verhaftung durch die Gestapo und Überführung ins Gestapogefängnis nach Koblenz. Schäfer erschien am nächsten Morgen nicht zur hl Messe, aber erst am 9.1.1040 erging eine Anfrage nach dem Verbleib aus Trier an den Dechant Schlicker in Müden. Schlicker wusste offensichtlich von der Verhaftung, denn er formulierte in seinem Antwortschreiben die Hoffnung, dass Adam Schäfer wegen seines Herzleidens besonders unter der Gestapo-Haft leiden müsse. Drei Tage später, am 12.1.1940, wusste er zu berichten, dass in Pommern Verhöre stattfanden, um herauszufinden, was genau Pastor Schäfer gepredigt hatte.

20.03.1940 Mitteilung der  Geheimen Staatspolizei Koblenz an den Regierungspräsidenten: Pastor Schäfer wegen seiner Schutzhaft keine staatliche Besoldungsbeihilfen mehr erhalten dürfe. Vorwurf: in seiner Predigt am 26.11.1939 habe er gegen die Nationalsozialisten gepredigt: Jeder habe sein eigenes ‚Ultimo’, der letzte Tag, von dem aus das erkannt werden kann/wird, was man im Leben richtig und was man falsch gemacht habe. Auch für die damaligen Machthaber würde dies zutreffen, Männer, die heute noch geliebt und geehrt werden würden, die dann aber von ihren Postamenten stürzen würden. Dann erst würde durch die alleinseligmachende Kirche das Glück über die Menschheit kommen.  

Die konkrete Anklage lautete jedoch anders: Indoktrination der ortmärkischen Soldaten, die in Pommern waren, Schüren deren Unzufriedenheit. Berichterstatter war der damalige Ortskommandant von Pommern: „Ich persönlich habe öfters festgestellt, dass der Pfarrer meine Leute auf der Straße ins Gespräch zog und dass es sich hierbei oft um den getarnten Versuch des Ausfragens über die Einstellung der Ostmärker gegenüber den heutigen Verhältnissen handelte. Hierbei kam es anscheinend darauf an, durch mitleidvolles Fragen nach den heimatlichen Verhältnissen Unzufriedenheit bei meinen Leuten zu erwecken. Im gleichen Sinne sind auch die Fragen zu werten die von den Einwohnern und dem Geistlichen an die Soldaten gestellt werden, wie sie mit ihren ‚preußischen’ Vorgesetzten zufrieden wären. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Geistliche täglich längere Hausbesuche bei den Einwohnern macht und der Verdacht aufkommt, dass er diese bei seinen besuchen in seinem Sinne beeinflusst und sie anweist, die Soldaten über ihre Stimmung auszuhorchen. ...“ (Herriegel, in: Das dt. Martyrologium)

Gesinnung und Engagement: aktives Mitglied der Zentrumspartei, in dieser Funktion hatte er Versammlungen geleitet und auch öffentlich gesprochen.

KEINE Mitgliedschaft in der NSV, angeblich reiche dafür sein Gehalt nicht. Er zahlte aber jeden Monat 2 RM an die Caritasvereinigung. Seine Ablehnung des Nationalsozialismus begründet er aus deren kirchenfeindlichen Haltung.

Anklage beim Sondergericht in Köln: Strafverfahren wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz. 08.03.1940: aus der Schutzhaft heraus Vorführung vor das Amtsgericht Koblenz, Erlass eines Haftbefehls.

Zeugen, die Pastor Schäfer im Gefängnis besuchen durften, berichteten über Misshandlungen und Folterungen.

22.8.1940 Entlassung in das Krankenhaus Marienhof in Koblenz. Verhängung eines Berufsverbotes in der Diözese Trier und Aufenthaltverbot ab dem 24.08.1940 im Rheinland. Gründe: Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, Befürchtung, er sei ein „Wiederholungstäter“.

Adam Schäfer fand tatsächlich Unterschlupf bei seiner Schwester in Bornhofen, musste jedoch wegen seines schlechten Gesundheitszustandes wieder in Marienkrankenhaus nach Koblenz. Nach der Entlassung aus dem Marienkrankenhaus erhielt Adam Schäfer die Erlaubnis, zu seiner Schwester nach Urmitz zu ziehen. Am 1.9.1941 zog Schäfer mit seiner Haushälterin zu seiner Schwester ins Elternhaus nach Urmitz. Auflage: ein Arzt habe wöchentlich zu überprüfen, ob er lagerfähig sei.

19.12.1941 Besuch eines unbekannten Arztes in Uniform. Adam Schäfer war mit seiner Haushälterin und seinem Bruder beim Mittagessen. Die Nichte berichtete, dass dieser Arzt ihm eine Spritze gegeben hatte, worauf er bald danach verstarb.

Der Eintrag ins Sterberegister Urmitz/Verbandsgemeinde Weißenthurm besagt, dass Adam Schäfer am 19.12.1941 um 15 Uhr verstorben ist. Todesursache: Herzmuskelschädigung. Die Todesanzeige hat sein Bruder, der Bäckermeister Leopold Schäfer, erstattet.

Der Totenschein wurde von einem nicht namentlich genannten „M-Arzt aus Mühlheim“ ausgestellt. Die Leichenbesichtigung fand um 18.00 Uhr statt. Es war nicht der behandelnde Arzt!!! Auch hier steht Herzmuskelschädigung als Todesursache.

Bemerkenswert ist, dass der gleiche Arzt am gleichen Tag den Totenschein für eine jüdische Frau ausgestellt hatte!!!

Beerdigung in Urmitz, wo heute noch an der Friedhofkapelle sein Grabstein als Gedenkstein steht.

Pastor Schäfer ist wegen seines Glaubens verfolgt und gefoltert worden, und auch wenn man nicht definitiv von Ermordung sprechen kann, weil nicht mehr zu beweisen ist, was genau am 19.12.1941 passierte, so sind die 8-monatige Haft mit Misshandlungen und Folter sowie das Berufs- und Aufenthaltsverbot gesichert.

Pommern:

Pastor Adam Schäfer, gestorben am 19.12.1941

Recherche:

Anfrage beim Priesterseminar Trier, Thomas Herrig, Subregens

Anfrage beim Bistumsarchiv Trier, Herr Stefan Nicolay, Dipl. Archivar FH

Christoph Lenz

Rita Zimmermann, Koblenz, Enkeltochter der Schwester Theresia Schäfer

Literatur:

Dr. Ludwig Herriegel: Adam Schäfer, in: Zeugen für Christus.

Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Bd. 1


Ders. Pastor Adam Schäfer, in: Buch und Mörz. Aus der Geschichte zweier Nachbardörfer. 2002

Quellen:

Bundesarchiv Berlin: R 510 Nr. 22261 (muss noch gelesen werden)

Stolpersteine für den Kreis Cochem-Zell