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Organspende, Professor Dr. Heribert Niederschlag, Moraltheologe an der Theologischen-Philosophischen Hochschule Vallendar

Wann endet der Sterbevorgang und wann können Organe entnommen werden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Professor Dr. Heribert Niederschlag als Moraltheologe an der Theologisch-Philosophischen Hochschule in Vallendar in seinem aufrüttelnden Vortrag im Treiser Pfarrheim.

Der Arbeitskreis Erwachsenenbildung der Pfarreiengemeinschaft Treis-Karden hatte den bekannten Moraltheologen zu einem äußerst schwierigen und komplexen Thema eingeladen. Dieter Schwab ließ die große Bedeutung der Organspende aus christlicher Sicht dann auch in seiner Begrüßung anklingen.

Eindringlich unterstrich der Professor aus Vallendar die großen Probleme, die sich an der Nahtstelle zwischen Tod und Leben ergeben können, denn „nur von einem bereits kurz Verstorbenen können Organe entnommen werden“. Es bleibt aber ein Akt der Nächstenliebe, wie das auch schon der große Papst Johannes Paul II. formulierte, unterstrich er nachhaltigst.

In seinen einleitenden Worten wies er auch auf das Beispiel Österreich hin, die damit lockerer und unver-krampfter umgehen. „Der Leichnam steht der Gesellschaft zur Verfügung“, sagte daher schon die große Kaiserin Maria Theresia. In Österreich gilt die Widerspruchsreglung, d. h.,  wenn der Organentnahme zu Transplantationszwecken durch den Verstorbenen zu Lebzeiten nicht widersprochen wurde ist sie nach dem Tod zulässig.

In Deutschland dagegen besteht die erweiterte Zustimmungsreglung: Die Organentnahme zu Transplantations-zwecken nach dem Tod ist zulässig, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten ihr zugestimmt und es dokumentiert hatte oder wenn keine Entscheidung dokumentiert ist die nächsten Angehörigen dem mutmaßlichen letzten Willen und Wünschen des Verstorbenen entsprechend stellvertretend zustimmen. Hier wird die ganze Brisanz deutlich, da es beispielsweise beim Überbringen einer Todesnachricht durch den Seelsorger den Eltern eines tödlich verunglückten Jugendlichen zugemuten wird, gleichzeitig eine Entscheidung darüber zu treffen, ob die Organe des Toten für eine Organspende freigegeben werden sollen.

Aber wann ist der Mensch tot? Historisch war das der Herzstillstand mit allen seinen Schwierigkeiten, der später durch den Hirntod „abgelöst“ wurde. Auf diesem sehr komplexen Terrain gab es die seltsamsten Kuriositäten, denn so mancher Zeitgenosse war lediglich scheintot. Mittlerweile sagt man, wenn Groß- und Stammhirn keine Signale mehr senden.

Leider kümmerten sich in der Geschichte die Ärzte nicht um die Sterbenden, die wurden den Pflegern und den Seelsorgern überlassen. Die Palliativmedizin ist erst sehr viel später entstanden, mittlerweile gibt es dafür auf Landesebene eine Gesellschaft mit Ärzten,  Seelsorgern und immerhin fünf Lehrstühle.  In früheren Jahren gab es einmal ein völliges Verbot der Organspende, das durch Johannes Paul II. aufgehoben wurde.

Ein seltsamer Gegensatz: 80 Prozent der Deutschen sind für Organspende, aber lediglich 17 Prozent haben einen Spenderausweis. In 2008 sind die Zahlen stark zurückgegangen. Zu 1998 waren es knapp neun Prozent, die spendeten, eine sehr bedrohliche Entwicklung, denn notwendig wären 12000 Spender, um konkret helfen zu können. Täglich sterben drei Menschen, denen man mit einer Organspende hätte helfen können. Die Wartelisten sind lang und Deutschland rangiert auf einem der hinteren Plätze in Europa.

Leider grassiert auch international unter den Ärmsten der Armen das Verbrechen der Organentnahme bei Gesunden in Slums und den Elendsvierteln der Welt. Ein paar Wenige verdienen daran, ein Skandal sondergleichen, betonte der Moraltheologe.

Er zeigte nochmals deutlich auf, dass der Tod eingetreten sein muss oder dass der Sterbeprozess soweit fortgeschritten und irreversibel ist. Der Kreislauf des Toten wird noch bis zur Operation aufrecht erhalten, denn nur noch nicht abgestorbene Organe können transplantiert werden.

Im Christentum finden wir, wie auch in den meisten anderen Religionen  die „Goldene Regel“:  Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen. (Mt 7,12) Heute finden wir jedoch  die Haltung, wenn ich in Not bin erwarte ich, dass mir geholfen wird, selbst aber im umgekehrten Fall mich nicht angesprochen fühle.

„Christlich gesehen sollten wir wieder eine neue und positive Art des Schenkens und des Hingebens lernen. Wir müssen den Tod wieder in der Gesellschaft zulassen und nicht verdrängen, um selbst freier und intensiver leben zu können“, machte Professor Niederschlag abschließend nochmals deutlich.

Er ließ schließlich nachdenkliche Zuhörer zurück. Auch künftig werden durch die Erwachsenenbildung der Treis-Kardener Pfarreieingemeinschaft weitere interessante Vorträge angeboten.

Heinz Kugel

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Vortrag Organspende

Organspende: Akt der Nächstenliebe

Moraltheologe Dr. Heribert Niederschlag fordert bei Vortrag in Treis-Karden eine „neue und positive Art des Hingebens“

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